Editorial von Pfarrer Möller

Wer im November aus dem Fenster guckt, sieht vor allem eines: Grau. Die Tage werden kürzer, die Nachrichten länger: Kriege, steigende Preise, ein Streit in der Familie, vielleicht eine Diagnose oder ein Stuhl, der leer bleibt. „Hoffnungszeichen entdecken“? Klingt fast wie Hohn. 

Wo denn, bitte?
 

Ausgerechnet in Trümmern beginnt eine der schönsten Hoffnungsgeschichten der Bibel. Der Prophet Jesaja redet zu Menschen, deren Königshaus am Boden liegt. Vom einst stolzen Stammbaum Davids ist nichts mehr übrig. Nur noch ein läppischer Baumstumpf. Abgesägt, umgemacht, scheinbar tot. Jesaja prophezeit: Aus diesem Stumpf wird ein Trieb hervorgehen (Jes 11,1). Kein Wald. Kein neuer Palast. Ein einziger grüner Zweig. Aber in diesem Zweig ist der künftige Baum schon da, so wie im Samen die Eiche. Wer ihn sieht, sieht nicht nur ein Versprechen. Er sieht den Anfang selbst.
Eine andere berühmte Geschichte ist ebenso wenig triumphal. Ein junges Paar ohne Unterkunft, ein Neugeborenes im Futtertrog, Hirten, die man auf dem Feld sitzen ließ, während drinnen die Wichtigen feierten. „Das soll euch das Zeichen sein“, sagt der Engel: „Ihr werdet ein Kind finden, das in Windeln gewickelt in einer Krippe liegt“ (Lk 2,12). Das Zeichen ist kein Hinweis auf etwas anderes. Es ist das Kind selbst, und in diesem Kind ist, was es bedeutet: Gott, der zu uns kommt.
 

Es gibt einen Unterschied zwischen einem Zeichen und einem Wegweiser. Der Wegweiser steht nicht in der Stadt, auf die er zeigt. Er zeigt nur in die Richtung. Ein Zeichen schon: Im Gezeigten ist das Gezeigte wirklich anwesend. Wer eine Kerze anzündet, deutet nicht nur auf das Licht der Welt (Joh 8,12), er lässt in diesem Moment etwas davon in den Raum. Ein Zeichen muss man nicht beweisen. Man sieht es oder übersieht es. Zeichen stecken in einem Anruf nach langem Schweigen, in der Nachbarin, die unaufgefordert die Einkaufstüte trägt, in einem Lachen auf dem Krankenhausflur, im ersten Scheeglöckchen, das den Frost überstanden hat. Kleine Stücke von dem, was kommt, schon jetzt. Was in Betlehem geschah, wird jedes Jahr neu gegenwärtig, wo Menschen es sehen.
Sie haben vielleicht einen Adventskalender. Hinter jedem Türchen steckt nur ein Bild oder ein Stück Schokolade. Trotzdem öffnen Kinder wie Erwachsene es jeden Morgen. Neugierig und mit Freude. Vierundzwanzigmal üben wir: Auf etwas zu warten, das noch nicht da ist. Aber im Kleinen schon anfängt.
 

Paulus schreibt: „Hoffnung, die man sieht, ist keine Hoffnung“ (Röm 8,24). Er schreibt ihn mitten in einem Kapitel, in dem die ganze Schöpfung seufzt wie eine Frau in den Wehen. Hoffnung ist für ihn also kein Optimismus. Der Optimist verlässt sich darauf, dass es schon gut gehen wird. Wer hofft, hält das Seufzen aus und rechnet trotzdem damit, dass Gott nicht fertig ist: „So warten wir darauf in Geduld“ (Röm 8,25).
Die Adventszeit ist keine Zeit des Schönredens. Die alten Lieder klingen nach Not: „O Heiland, reiß die Himmel auf“ ruft nicht, wer sich sicher fühlt, sondern wer das Dunkel kennt. Gott kommt nicht erst, wenn wir aufgeräumt haben, sondern mitten ins Durcheinander, in einen Stall, in dem es nach Tier roch. „Das Wort ward Fleisch“ (Joh 1,14), mit allem, was dazugehört: Hunger, Angst, Müdigkeit, Freude. Gott wartet nicht, bis sich die Lage gebessert hat.
 

Die Hirten waren die Ersten, die es erfuhren. Sie waren nicht besonders fromm, sondern sie waren wach: Sie hielten „Nachtwache bei ihrer Herde“ (Lk 2,8). Wer nachts draußen arbeitet, bekommt vom Tag wenig mit und schaut doch länger in den Himmel als alle anderen. Vielleicht ist das der Kern des Advents. Jesus hat seinen Leuten später nur eines mitgegeben, als er vom Kommen Gottes sprach: „Wachet!“ (Mk 13,37). Wer wach ist, sieht den Trieb am Baumstumpf und die Krippe im Stall. Wer auf Paläste wartet, schläft daran vorbei.
Am späten Nachmittag wird es jetzt dunkel. In vielen Fenstern stehen Lichter. Sie vertreiben die Nacht nicht, und sie beweisen nichts. Sie leuchten, und für alle, die vorbeigehen, ist es an dieser Stelle wirklich hell.

Kirchenvorstandswahl 2027

Bitte informieren Sie sich unter: https://dein-kirchenvorstand.de/

Bei Interesse zu Kandidieren, bitte im Gemeindebüromelden. 

Ein Korn fällt in die Erde – und trägt Frucht

Familiengottesdienst am 8. März 2026 – Thema: Das Weizenkorn (Joh 12,24)

„Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht.“  

Johannes 12,24

Ein unscheinbares Samenkorn birgt das ganze Geheimnis von Leben, Tod und Neubeginn. Genau dieses Bild aus dem Johannesevangelium stand im Mittelpunkt unseres Familiengottesdienstes am zweiten Märzsonntag. Jung und Alt feierten zusammen – und ließen den Gottesdienst buchstäblich „aus der Erde wachsen“.

Der Kinderchor Obbornhofen unter Leitung von Jennifer Roth eröffnete mit einem schwungvollen Frühlingsmedley und dem Mitmachlied „Vom Anfang bis zum Ende hält Gott seine Hände“. Schnell waren alle dabei: Hände klatschten, Arme wedelten, Herzen öffneten sich.

Pfarrer Martin Möller begann mit einer einfachen Frage: „Wer hat schon einmal ein Samenkorn in die Erde gesteckt und gewartet?“ Von dort entfaltete er das Jesuswort: Das Korn muss loslassen, „sterben“, um Frucht zu bringen – ein Bild für Jesu Weg, aber auch für unsere Abschiede, Verluste und stillen Verwandlungen, aus denen Neues entsteht.

Die Kinderkirche Trais-Horloff hatte in den Wochen davor echte Weizenkörner eingepflanzt und täglich beobachtet. Mit strahlenden Gesichtern präsentierten die Kinder ihre grünen Töpfe – sichtbare Zeichen dessen, was im Verborgenen geschieht.

Alle Kinder (und viele Erwachsene) spielten anschließend die Geschichte nach: sich klein machen wie ein Korn, langsam wachsen, schließlich die Arme weit ausbreiten wie eine reife Ähre. Dieser kleine Moment berührte und verband Generationen spürbar.

Der Kinderchor, Johanna Launspach an Orgel und Querflöte sowie Chiffontücher, die beim Lied „Das Weizenkorn, so klein und fein“ durch die Luft wirbelten, schufen eine berührende Atmosphäre des Werdens und Wachsens.

In den Fürbitten wurde für alle gebetet, die säen ohne Ernte zu sehen, die in dunkler Erde liegen und kein Licht spüren, für neugierige Kinder, trauernde Angehörige eines Verstorbenen aus unserer Gemeinde und für Menschen in Krieg und Not. „Auch dieses Korn ist nicht verloren – sondern in deinen Händen“, so schloss das Gebet.

Es war ein Gottesdienst voller Leben, Fragen, Freude und Vertrauen – nachdenklich und zugleich herzerwärmend.

Herzlichen Dank an  

- den Kinderchor Obbornhofen mit Jennifer Roth  

- die Kinderkirche Trais-Horloff  

- Johanna Launspach (Orgel & Querflöte)  

- und alle großen und kleinen Mitfeiernden, die mitgesungen, mitgespielt und mitgeglaubt haben!

Pfarrer Martin Möller

Martin Moeller
Martin Moeller
Martin Moeller

Ein Hauch von Nigeria in Wohnbach: Frauen feiern gemeinsam den Weltgebetstag

WOHNBACH – Am ersten Freitag im März verwandelte sich der Wohnbacher Gemeindesaal in einen Ort der interkulturellen Begegnung. Wie bereits seit vielen Jahren Tradition, versammelten sich zahlreiche Teilnehmerinnen, um den Weltgebetstag der Frauen zu begehen – dieses Mal unter dem Fokus Nigerias.

Der Abend startete mit einem informativen Teil, der das alltägliche Leben der Frauen im bevölkerungsreichsten Land Afrikas beleuchtete. Dabei wurden sowohl die Herausforderungen als auch die Stärke und Zuversicht der Nigerianerinnen thematisiert.

Im Zentrum der Veranstaltung stand der von nigerianischen Frauen vorbereitete Gottesdienst. Ein besonderes Highlight waren dabei die integrierten Rollenspiele: In kurzen, eindringlichen Szenen verdeutlichten die Akteurinnen die Lebenssituation vor Ort und machten die christliche Botschaft der diesjährigen Liturgie greifbar.

Nach dem spirituellen Teil luden die Organisatorinnen zu einer kulinarischen Entdeckungsreise ein. Bei einer Auswahl an typisch nigerianischen Gerichten konnten die Besucherinnen den Abend gemeinsam ausklingen lassen und die Eindrücke des Tages im Gespräch vertiefen.

Der Weltgebetstag in Wohnbach hat einmal mehr gezeigt, wie Glaube über Ländergrenzen hinweg verbindet und den Blick für die Eine Welt schärft.

Christiane Kammer
Christiane Kammer
Christiane Kammer
Christiane Kammer